Leben in der Zukunft

Schwerer noch als in der Zukunft zu leben, ist es wohl, sich dieselbe aus der Gegenwart vorzustellen, ohne dass es albern wirkt. So gesehen ist die Doku "2057 - Unser Leben in der Zukunft", die Arte und das ZDF an diesem Wochenende zeigen, ein riesiger Reinfall. Weil kaum etwas von dem, was dort prognostiziert wird, glaubwürdig ist. Bis man prompt die Belege aus der Forschung vorgeführt bekommt und sich denkt: Das kann doch wohl nicht wahr sein!

Wie bei den Gebrüdern Wright

"2057" ist ganz und gar kein Reinfall, sondern ein interessantes Experiment, zu visualisieren, wie die Menschen in 50 Jahren auf diesem Planeten leben werden. In hochtechnisierten Haushalten, mit künstlich gezüchteten Herzen, in vernetzten Städten mit empfindlichen Datensystemen, immer noch auf der Suche nach der Antwort auf den unglaublichen Energiehunger, den die Weltbevölkerung entwickelt hat.
Vor allem lebt "2057" vom Überraschungseffekt - weil eben nicht bloss Behauptungen aufgestellt werden und hübsche Animationen futuristischer Städte gezeigt, sondern auch Wissenschaftler zu Wort kommen, die jetzt und heute genau daran arbeiten, dass es diese Zukunft geben kann.
Ja, ja, denkt sich der Zuschauer erst: Autos, die senkrecht in die Luft gehen und geradeaus durch die Luft fliegen können, wenn am Boden Stau ist, das kennt man schon zur Genüge. Umso überraschender ist die Erkenntnis, dass es tatsächlich Forscher gibt, die solche Fahrzeuge schon entwickelt haben, wie nachher per Video-Einspieler bewiesen wird. Die Angelegenheit ist noch furchtbar wackelig und das Gefährt kommt kaum ein paar Meter voran - aber das Prinzip funktioniert. Auch die Gebrüder Wright haben klein angefangen.

Manchmal hoffnungslos optimistisch

Dass die Doku ihren Effekt erzielt, liegt in dieser Verknüpfung des eigentlich Unglaublichen mit dem Nachvollziehbaren, den Bildern aus dem Labor, in denen es tatsächlich geschafft wird, künstliche Herzklappen zu züchten, die anschließend auf die von ihnen verlangte Leistung trainiert werden müssen, und vielleicht schon in ein paar Jahren bei Operationen verwendet werden könnten. In den USA gibt es tatsächlich Forscher, die einen einfachen Tintendrucker so umgebaut haben, dass sie Bakterienkulturen in den von ihnen gewünschten Mustern damit auf Papier bringen konnten. Warum sollten sich auf diese Weise nicht auch dreidimensionale Organe "ausdrucken" lassen?
In drei Teilen zeigt "2057", wie sich die Medizin weiterentwickeln könnte, wie die Stadt der Zukunft aussehen würde, wie die globale Energiekrise gelöst werden könnte. Manches davon ist nachvollziehbar, anderes einfach hoffnungslos optimistisch.